Was man über Diabetes wissen muss

Am 14. November ist Weltdiabetestag. Die „Zuckerkrankheit“, wie sie im Volksmund genannt wird, hat Auswirkungen auf den ganzen Körper: Warum Augen, Haut, Knochen und Herz bei dieser Erkrankung besonders gefährdet sind und worauf Diabetiker achten müssen, damit für sie der Umgang mit der Zuckerkrankheit einfacher wird, kannst du im aktuellen Blogbeitrag nachlesen.

Weltweit ist etwa jeder elfte Mensch an Diabetes erkrankt. Somit hat jeder in seinem engsten Umfeld mit dem Thema Diabetes zu tun, auch wenn es vielen nicht bewusst ist und oft das Wissen fehlt, um den Angehörigen mit Diabetes zur Seite stehen zu können. „Diabetes selbst ist nicht ansteckend und doch verbreitet sich die Erkrankung mit einer rasenden Geschwindigkeit über den gesamten Erdball, weil der Lebensstil und die Umweltbedingungen, die den Diabetes mellitus Typ 2 fördern, ansteckend sind“, erklärt die Präsidentin der Österreichischen Diabetes Gesellschaft (ÖDG), Alexandra Kautzky-Willer, Univ. Prof.in Dr.in an der Med Uni Wien. „Darum ist es wichtig, jedes Jahr am Weltdiabetestag darauf und auf die aktuellen Trends hinzuweisen“.

Diabetes erkennen

Die Symptome von zu hohem Blutzucker (Hyperglykämie) wie Gewichtsverlust, häufiger Harndrang/urinieren, gesteigerter Durst und Müdigkeit sowie Leistungsminderung fällt Familienangehörigen häufiger auf als den Betroffenen selbst. Daher raten Experten vor allem Familien, als Angehörige daran zu denken, dass sich hinter diesen Symptomen Diabetes verstecken könnte. Nur dann könne es zu einer rechtzeitigen Diagnose und Therapieeinleitung führen.

Diabetes vorbeugen und bewältigen

Die Prävention des Typ 2 Diabetes stellt eine wesentliche gesundheitspolitische Maßnahme dar. Das Wissen darüber ist dafür unerlässlich. Die Erfahrung mit Patienten mit Diabetes zeigt laut ÖDG: Das Wissen über gesunde Ernährung und die Notwendigkeit der körperlichen Aktivität ist stark abhängig vom Bildungsgrad. Auch wenn die Diagnose Diabetes für viele eine Schreckensnachricht ist, könne sie gleichzeitig eine Chance für die gesamte Familie sein. Maßnahmen wie die Änderung des Lebensstils sollten nicht nur vom Betroffenen, sondern von der gesamten Familie übernommen werden. So finden Therapie und Prävention gleichzeitig statt.

Prävention und Früherkennung in Familien mit Kindern

Kautzky-Willer unterstreicht die Wichtigkeit der Familie in der Vorbeugung: „Beim Typ 2 Diabetes ist die gesamte Familie in der Prävention gefordert. Rauchfreie Lebensräume sind für die ganze Familie wichtig, besonders für Kinder! Übergewicht in jungen Jahren vorzubeugen, ist besonders wichtig. Gesunde Ernährung und ausreichend Bewegung im Familienalltag schützen alle Generationen. Denn durch einen gesunden Lebensstil sind 50 bis 70 Prozent der Typ 2 Diabetesfälle vermeidbar“.

Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Die ÖDG weist zudem auf den engen Zusammenhang zwischen Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen hin. Jeder, der an einer der beiden Erkrankungen leidet, sollte auch sein persönliches Risiko für die jeweils andere beachten und beobachten, so die Empfehlung des Instituts. In der Früherkennung ist hier das Engagement der Allgemeinmedizin von besonderer Bedeutung. Denn Diabetes ist eine Krankheit mit hohen organisatorischen Anforderungen. Betroffene müssen zumeist mehrmals täglich Blutzucker messen, ihre Ernährung auf die Behandlung abstimmen und ausreichend Bewegung in ihren Alltag einbauen.

„Bei Menschen mit Diabetes ist auf die Herzgesundheit ein besonderes Augenmerk zu legen“, berichtet Alexandra Kautzky-Willer. „Die Betroffenen selbst haben oft mehr Angst vor anderen, möglichen Folgeerkrankungen des Diabetes, die augenscheinlicher sind, wie Amputationen, Erblindung oder Nierenversagen. Deutlich häufiger folgen aber Erkrankungen des Herzkreislaufsystems auf einen nicht erkannten oder nicht optimal behandelten Diabetes. Obwohl neue Untersuchungen zeigen, dass aufgrund der besseren Behandlung die Sterblichkeit an Herz-Kreislauferkrankungen bei Diabetes im letzten Jahrzehnt sogar stärker rückläufig war als bei Nicht-Diabetikern, versterben noch immer ungefähr die Hälfte der Menschen mit Diabetes an Herzinfarkt, Schlaganfall, Herzschwäche, Rhythmusstörungen oder anderen Gefäßkomplikationen. Auffällig ist dabei auch, dass gerade Frauen und junge Menschen mit Diabetes weniger von der Heilung profitiert haben“

Diabetes und Erkrankungen des Herz-Kreislaufsystems

Der Begriff Herz-Kreislauf-Erkrankungen umfasst viele verschiedene Erkrankungen, die das Herz und die Blutgefäße betreffen: Am bekanntesten ist der Herzinfarkt, aber auch die Herzschwäche oder die sogenannte koronare Herzkrankheit, bei der Blutgefäße, die den Herzmuskel mit Sauerstoff versorgen, beeinträchtigt sind, zählen zu diesen. Weitere Gefäßkrankheiten sind der Schlaganfall im Gehirn und die periphere arterielle Verschlusskrankheit (PAVK), vor allem in den Beinen. Ein chronisch hoher Blutzucker begünstigt die Arteriosklerose (Gefäßverkalkung), die Ursache all dieser Erkrankungen. Zum Beispiel ist bei Männern mit Diabetes das Herzinfarktrisiko um das Zwei- bis Dreifache höher als bei gesunden und bei Frauen mit Diabetes sogar bis um das Vierfache. 

Zucker schadet

Ein Zuviel an Zucker ist Gift für die Gefäße. Schädigungen der Gefäße werden beim gesunden Menschen durch Reparaturmechanismen im Lauf der Zeit ausgeglichen. Durch einen Überschuss an Zucker im Blut verringert sich diese Regenerationsfähigkeit der Gefäßwände um etwa 80 Prozent. Dadurch fördert Diabetes, bei dem der Zucker im Blut gar nicht oder nicht schnell genug abgebaut wird, direkt die Gefäßverkalkung. Zusätzlich haben Menschen mit Typ-2-Diabetes sehr häufig weitere Risikofaktoren für Gefäßverkalkungen. Dazu zählen vor allem schlechte Blutfettwerte und erhöhter Blutdruck, sowie eine Fettleber und vor allem bauchbetontes Übergewicht. Auch das so genannte Schlafapnoe-Syndrom, an dem viele Menschen mit Diabetes leiden, begünstigt laut Medizinern einen Herzinfarkt. Typisch dafür sind lautes, unregelmäßiges Schnarchen, Atemaussetzer und starke Tagesmüdigkeit. Rauchen sei ebenfalls ein großer Risikofaktor für einen Herzinfarkt und gleichzeitig für Diabetes, sind sich Experten sicher.

Wie der Herzinfarkt entsteht

Der Herzmuskel wird von den sogenannten Koronar-Arterien mit Blut versorgt. Sie umfassen den Herzmuskel wie ein Kranz. Wenn sich in einer der Koronar-Arterien ein Gefäßverschluss ereignet, wird dieser Teil des Herzens nicht mehr mit Blut versorgt. Wird diese Durchblutung nicht rasch wiederhergestellt, stirbt das betroffene Herzmuskelgewebe ab. Das bezeichnet man als Herzinfarkt. „Gerade bei Frauen mit Diabetes sind vor der Menopause auch Herzerkrankungen ohne nachweisbaren Gefäßverschluss häufig, aufgrund von Durchblutungsstörungen der kleinsten Gefäße und Gefäßverkrampfungen“ ergänzt Kautzky-Willer. „Insgesamt ist jedenfalls das relative Risiko nach einem Herzinfarkt zu versterben bei Frauen mit Diabetes höher als bei Männern mit Diabetes.“

Konsequente Diabetes-Behandlung

Das Risiko für einen Herzinfarkt bei Diabetes mellitus kann durch eine optimale medikamentöse Behandlung des Diabetes gesenkt werden. Wichtig ist, dass gleichzeitig auch alle anderen Risikofaktoren Beachtung finden. Dies erfordert eine Änderung des Lebensstils, also gesunde Ernährung, Rauchstopp, Gewichtsreduktion bei Übergewicht und tägliche Bewegung. „Die gute Nachricht: Eine aktuelle Untersuchung aus Schweden beweist, dass wenn bei Typ 2 Diabetes fünf wichtige Risikofaktoren im Zielbereich liegen, dann verschwindet auch das erhöhte Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall und die erhöhte Sterblichkeit“, betont die ÖDG-Präsidentin abschließend.

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(ÖDG)

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